Erste Hilfe bei Erstickung: So handeln Sie im Notfall richtig

Eine Person führt hinter einer sitzenden Person den Heimlich-Griff am Oberbauch aus, um die korrekte Anwendung bei Erstickung zu demonstrieren.

Eine Erstickung stellt einen lebensbedrohlichen medizinischen Notfall dar, bei dem die Atemwege durch einen Fremdkörper blockiert sind. In solchen Momenten kann die betroffene Person nicht mehr selbstständig atmen, sprechen oder husten, was innerhalb weniger Minuten zu Sauerstoffmangel im Gehirn und zum Bewusstseinsverlust führt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Schwere einer Blockade lebensrettend unterscheiden, welche Handgriffe bei einer teilweisen oder vollständigen Verlegung korrekt sind und wie Sie bei verschiedenen Personengruppen (wie Kleinkindern oder Schwangeren) richtig reagieren. Schnelles und gezieltes Handeln ist entscheidend, um Leben zu retten und bleibende Schäden zu verhindern. Wer die Grundlagen der Ersten Hilfe bei Erstickung beherrscht, kann im Ernstfall ruhiger und sicherer handeln.

Index
  1. Unterscheidung zwischen teilweiser und vollständiger Atemwegsverlegung
  2. Erste Schritte bei unkomplizierter Verlegung
  3. Anwendung des Heimlich-Manövers bei Erwachsenen
  4. Wichtige Besonderheiten bei verschiedenen Personengruppen
  5. Vorgehen bei Bewusstlosigkeit
  6. Häufige Fehler und Risiken im Notfall
  7. Häufig gestellte Fragen

Unterscheidung zwischen teilweiser und vollständiger Atemwegsverlegung

Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, müssen Sie erkennen, wie stark die Blockade ist. Ein entscheidender Fehler wäre es, bei einer leichten Verlegung zu aggressiv einzugreifen, da dies den Fremdkörper tiefer in die Atemwege befördern könnte. Die Unterscheidung zwischen Erstickung und Asphyxie ist hierbei weniger wichtig als die korrekte Einschätzung, ob die Atemwege teilweise oder vollständig verlegt sind.

Bei einer leichten Verlegung kann die Person meist noch husten, röchelt oder macht Geräusche beim Versuch zu atmen. In diesem Fall ist die wichtigste Maßnahme, die Person zu ermutigen, kräftig zu husten. Unterstützen Sie die Person dabei, eine aufrechte Position einzunehmen, führen Sie jedoch keine Schläge auf den Rücken aus, da dies den Gegenstand weiter nach unten drücken könnte. Ein effektiver Husten ist der beste Mechanismus, um den Fremdkörper zu entfernen. Bei einem Atragantung bei Erwachsenen ist dieser erste Schritt oft bereits ausreichend, wenn die Verlegung nur teilweise ist.

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Eine vollständige Verlegung erkennt man daran, dass die Person keine Luft mehr bekommt, nicht mehr husten kann und oft nach dem Hals greift (das sogenannte universelle Warnzeichen für Ersticken). Das Gesicht kann sich bläulich verfärben, und die Person wirkt panisch. Erst in diesem Stadium sind forcierte Hilfsmaßnahmen wie Schläge auf den Rücken oder das Heimlich-Manöver lebensnotwendig. Ohne sofortige Hilfe tritt innerhalb weniger Minuten Bewusstlosigkeit ein. Bei einer vollständigen Obstruktion der Atemwege zählt jede Sekunde, daher sollte der Notruf unverzüglich veranlasst werden.

Erste Schritte bei unkomplizierter Verlegung

Wenn die betroffene Person noch husten kann, sollten Sie sie niemals allein lassen, aber auch nicht aktiv in den Hustenprozess eingreifen. Beobachten Sie die Situation genau. Wenn der Husten effektiv ist, wird der Fremdkörper meist von selbst ausgestoßen.

Sollte die Situation jedoch umschlagen und die Person verstummen oder das Atmen einstellen, muss sofort gehandelt werden. Beachten Sie diese Prioritätenliste:

  1. Hilfe rufen: Wenn andere anwesend sind, weisen Sie diese konkret an, den Notruf zu wählen.
  2. Klopftechniken anwenden: Bei Erwachsenen und älteren Kindern können Sie der Person leicht nach vorne gebeugt fünf kräftige Schläge mit der Handballenfläche zwischen die Schulterblätter geben. Diese Schläge auf den Rücken sind die erste gezielte Maßnahme bei einer vollständigen Verlegung.
  3. Heimlich-Manöver durchführen: Wenn die Schläge auf den Rücken nicht helfen, muss die Druckmassage des Oberbauchs erfolgen.

Anwendung des Heimlich-Manövers bei Erwachsenen

Eine Person führt das Heimlich-Manöver bei einem Erwachsenen durch, indem sie von hinten die Arme um dessen Taille legt und die Fäuste oberhalb des Bauchnabels positioniert.

Das Heimlich-Manöver (Abstützen des Oberbauchs) ist eine hocheffektive Methode, um durch den Aufbau von Luftdruck im Brustraum den Fremdkörper wie durch einen Korken aus der Luftröhre zu drücken. Die abdominalen Kompressionen erzeugen einen ruckartigen Druckstoß, der den Fremdkörper aus der Luftröhre befördern kann.

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Stellen Sie sich hinter die Person und umschlingen Sie diese mit Ihren Armen um die Taille. Ballen Sie eine Hand zur Faust und platzieren Sie diese kurz oberhalb des Bauchnabels, aber unterhalb des Brustbeins. Greifen Sie mit der anderen Hand Ihre Faust und führen Sie nun ruckartige, nach innen und oben gerichtete Bewegungen aus. Wiederholen Sie dies so lange, bis der Fremdkörper ausgestoßen wurde oder die Person das Bewusstsein verliert. Diese Technik wird auch als Heimlich-Manöver bei Erwachsenen bezeichnet und sollte nur bei vollständiger Verlegung angewendet werden.

Wichtige Besonderheiten bei verschiedenen Personengruppen

Die Anwendung der Erster Hilfe muss je nach körperlicher Konstitution angepasst werden, um Verletzungen zu vermeiden:

Personengruppe Empfohlene Maßnahme Besonderheiten
Erwachsene Heimlich-Manöver Klassische Anwendung am Oberbauch.
Kleinkinder 5 Schläge auf den Rücken & 5 Druckstöße auf die Brust Keine Faust im Oberbauch verwenden, um Organverletzungen zu vermeiden. Bei Atragantung bei Kindern unter einem Jahr niemals das Heimlich-Manöver anwenden.
Schwangere / Übergewichtige Druck auf den Brustkorb Die Arme nicht um den Bauch, sondern höher auf das Brustbein führen.

Vorgehen bei Bewusstlosigkeit

Ein Ersthelfer führt korrekte abdominale Druckstöße am Oberbauch eines erwachsenen Opfers durch.

Verliert die Person das Bewusstsein, ändert sich die Priorität von der Befreiung des Fremdkörpers zur Wiederbelebung und Sauerstoffversorgung. In diesem Fall darf das Heimlich-Manöver nicht fortgesetzt werden, da die Muskulatur erschlafft und die Technik wirkungslos wird. Bei einem Atragantung bei Bewusstlosigkeit steht nun die kardiopulmonale Reanimation im Vordergrund.

Bringen Sie die Person vorsichtig zu Boden und rufen Sie sofort den Rettungsdienst. Beginnen Sie umgehend mit der Wiederbelebung (Herzdruckmassage). Die rhythmischen Druckstöße der Herzdruckmassage können einen zusätzlichen Luftstrom erzeugen, der dabei helfen kann, den Fremdkörper zu bewegen. Achten Sie bei jedem Versuch, die Atemwege zu kontrollieren, darauf, ob der Fremdkörper sichtbar ist und vorsichtig entfernt werden kann. Führen Sie 30 Brustkompressionen gefolgt von zwei Beatmungen durch.

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Häufige Fehler und Risiken im Notfall

In der Hektik eines Notfalls unterlaufen Ersthelfern oft Fehler, die die Situation verschlimmern können:

  • Aggressives Eingreifen bei Husten: Bei einer Person, die noch hustet, Schläge auf den Rücken auszuführen, kann den Fremdkörper tiefer in die Atemwege treiben.
  • Blinde Tastgriffe: Mit den Fingern blind in den Rachen zu tasten, um den Gegenstand zu greifen, birgt das Risiko, den Gegenstand weiter nach hinten zu schieben oder das Gewebe zu verletzen. Greifen Sie nur, wenn der Gegenstand deutlich sichtbar und leicht erreichbar ist.
  • Unterlassen der medizinischen Nachsorge: Nach jeder erfolgreichen Befreiung eines Fremdkörpers sollte die Person medizinisch untersucht werden, um mögliche innere Verletzungen durch die Rettungsmaßnahmen auszuschließen.

Häufig gestellte Fragen

Was mache ich, wenn ich alleine ersticke?
Versuchen Sie, sich mit dem Oberbauch (zwischen Bauchnabel und Brustbein) fest gegen eine Kante, zum Beispiel die Lehne eines Stuhls oder eine Tischkante, zu drücken und nach oben zu stoßen, um den Druck im Bauchraum künstlich zu erhöhen. Wiederholen Sie die Bewegung, bis der Fremdkörper ausgestoßen wird. Diese Selbsthilfe bei Atragantung allein ist die einzige Möglichkeit, ohne fremde Hilfe den Fremdkörper zu lösen.

Darf ich nach dem Heimlich-Manöver aufhören?
Ja, sobald der Fremdkörper ausgestoßen wurde und die Person wieder normal atmen kann. Dennoch sollte die Person zur Sicherheit immer ärztlich untersucht werden.

Was ist der Unterschied zwischen Erstickung und Verschlucken?
Verschlucken bezeichnet das Eindringen von Nahrung oder einem Gegenstand in die Luftröhre, was zur Erstickung führt. Erstickung ist die daraus resultierende Folge, bei der der Gasaustausch unterbrochen wird.

Muss man immer den Notruf wählen?
Bei einer vollständigen Verlegung oder wenn die Person nach dem Vorfall Symptome wie Schmerzen oder Atemnot zeigt, ist ein Notruf absolut zwingend.

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